Manchmal riecht man es, bevor man es sieht. Ein leicht modriger Geruch im Zimmer, der sich nicht zuordnen lässt. Oder die Tapete fängt an, sich an einer Stelle leicht zu wölben, löst sich minimal vom Untergrund – und wenn man dann doch mal nachschaut, ist die Wand dahinter dunkel verfärbt. Schimmel, der sich still und unbemerkt ausgebreitet hat.
Schimmel hinter der Tapete ist in vielerlei Hinsicht unangenehmer als sichtbarer Oberflächenschimmel. Er wird später entdeckt, er ist schwerer zu beurteilen, und die Frage, was jetzt zu tun ist, stellt sich mit mehr Dringlichkeit.
Warum entsteht Schimmel ausgerechnet hinter der Tapete?
Die Tapete selbst ist nicht das Problem – sie ist nur der Ort, an dem das Problem sichtbar wird oder eben nicht. Was dahinter passiert, hat mit dem Zusammenspiel aus Wandtemperatur, Luftfeuchtigkeit und Materialstruktur zu tun.
Wenn warme, feuchte Raumluft auf eine kältere Wandoberfläche trifft, kondensiert die Feuchtigkeit. Das passiert nicht immer auf der sichtbaren Seite der Tapete. Manchmal zieht die Feuchtigkeit durch das Tapetenmaterial hindurch und kondensiert erst auf dem Untergrund – also direkt auf dem Putz oder der Mauer hinter der Tapete. Dort ist es dunkler, kühler, weniger belüftet. Ideale Bedingungen für Schimmel.
Besonders häufig passiert das an Außenwänden, an Stellen mit schlechter Dämmung oder dort, wo Möbel dicht an der Wand stehen und die Luft nicht zirkulieren kann.
Die typischen Ursachen im Überblick
Zu hohe Luftfeuchtigkeit im Raum. Das ist der häufigste Auslöser. Kochen, Duschen, Schlafen – all das gibt Wasserdampf in die Raumluft ab. Wenn dieser nicht regelmäßig durch Lüften abgeführt wird, steigt die relative Luftfeuchtigkeit dauerhaft an. Und irgendwo in der Wohnung findet die Feuchtigkeit immer eine kühle Oberfläche, an der sie kondensiert.
Kältebrücken in der Wandstruktur. Manche Wandbereiche sind konstruktionsbedingt kälter als andere – zum Beispiel Außenecken, Bereiche um Fensterrahmen, oder Stellen, an denen die Dämmung lückenhaft ist. Genau dort kondensiert Feuchtigkeit zuerst, und genau dort entsteht Schimmel hinter der Tapete besonders häufig.
Feuchte aus dem Mauerwerk selbst. In Altbauten, nach Wasserschäden oder bei aufsteigender Feuchtigkeit aus dem Boden kann die Feuchtigkeit von innen kommen – also aus der Wand selbst heraus. Das ist eine andere Ursache als Kondenswasser aus der Raumluft, und sie erfordert auch eine andere Herangehensweise.
Zu wenig Abstand zwischen Möbeln und Außenwand. Wer einen Schrank direkt an eine Außenwand stellt, verhindert, dass warme Raumluft an die Wand gelangen kann. Die Wandfläche hinter dem Möbel kühlt stärker aus – und hinter der Tapete bildet sich über Monate hinweg Schimmel, ohne dass es jemand bemerkt.
Woran man erkennt, dass es hinter der Tapete schimmelt
Der sichtbarste Hinweis ist eine Tapete, die sich vom Untergrund löst, aufwölbt oder feuchte Stellen zeigt. Manchmal verfärbt sich die Tapete auch von vorne – in einem matten, gräulichen oder bräunlichen Ton, der nicht ganz wie normaler Schmutz aussieht.
Der zuverlässigste Hinweis ist Geruch. Ein modrig-muffiger Geruch, der nicht eindeutig einer Quelle zuzuordnen ist, deutet sehr oft auf verborgenen Schimmel hin – hinter der Tapete, hinter Möbeln oder in schlecht belüfteten Ecken. Mehr dazu, wie man versteckten Schimmel anhand von Geruch und anderen Zeichen aufspürt, erklärt der Artikel zu Schimmelgeruch ohne sichtbaren Schimmel.
Was jetzt sinnvoll ist
Wenn der Verdacht besteht, dass sich Schimmel hinter der Tapete gebildet hat, führt an einer Überprüfung kein Weg vorbei. Das bedeutet in den meisten Fällen: Die Tapete muss zumindest an der betroffenen Stelle abgezogen werden, um den Zustand der Wand darunter beurteilen zu können.
Was man dabei vorfindet, bestimmt das weitere Vorgehen. Ein kleiner, oberflächlicher Schimmelfleck auf dem Putz ist etwas anderes als eine großflächig durchfeuchtete Wand mit tiefem Befall. Im ersten Fall kann eine gezielte Behandlung ausreichen. Im zweiten Fall braucht es eine gründlichere Sanierung – und vermutlich auch eine Auseinandersetzung mit der Ursache.
Wer in einer Mietwohnung wohnt und vermutet, dass die Ursache in der Bausubstanz liegt – also in schlechter Dämmung oder einer Kältebrücke –, sollte das dokumentieren und den Vermieter informieren. In solchen Fällen liegt die Verantwortung für die Sanierung nicht beim Mieter. Der Artikel zu Schimmel in der Mietwohnung gibt dazu einen ersten Überblick.
Das Unbehaglichste an Schimmel hinter der Tapete ist, dass man nie ganz weiß, wie weit er sich schon ausgebreitet hat. Deshalb gilt: Lieber früh nachschauen als abwarten.
